Wer Pflege braucht, muss einen Pflegegrad beantragen. Er bestimmt, was die Pflegeversicherung zahlt. Der Prozess ist kostenlos, aber bürokratisch. Hier findest du die Schritt-für-Schritt-Anleitung für 2026 mit allen offiziellen Fristen. Quellen: Verbraucherzentrale, BMG, Pflegekassen.
Du stellst den Antrag formlos bei deiner Pflegekasse, die zu deiner Krankenkasse gehört, telefonisch, schriftlich oder online. So läuft der Antrag ab:
Pflegekasse kontaktieren (gehört zur Krankenkasse)
Antrag telefonisch, schriftlich oder online möglich
Pflegekasse sendet Antragsformular zu
Ausfüllen und zurücksenden (wenn möglich mit Arztbriefen)
Wichtig: Den Antrag kann auch ein Bevollmächtigter stellen
Rückwirkungsdatum: Leistungen ab Antragsmonat
Wer begutachtet den Pflegebedarf nach dem Antrag?
Bei GKV-Versicherten begutachtet der Medizinische Dienst (MD, früher MDK), bei PKV-Versicherten Medicproof, in der Regel per Hausbesuch. Nach Antragseingang gilt:
Der Gutachter prüft 6 Lebensbereiche (Module) nach dem Neuen Begutachtungsassessment (NBA), das seit 2017 gilt. Die Module sind unterschiedlich gewichtet:
Modul 1: Mobilität (10 %)
Modul 2: Kognitive/kommunikative Fähigkeiten und Modul 3: Verhaltensweisen/psychische Problemlagen zusammen 15 %, gewertet wird nur das höhere der beiden Module
Modul 4: Selbstversorgung (40 %)
Modul 5: Bewältigung krankheits-/therapiebedingter Anforderungen (20 %)
Modul 6: Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15 %)
Alles zusammen ergibt einen Punktwert → Pflegegrad 1–5
Was steht im Pflegegrad-Bescheid?
Der Bescheid nennt deinen Pflegegrad (1–5) und muss spätestens 25 Arbeitstage nach Antragstellung vorliegen. Nach dem Besuch gilt:
Bescheid spätestens 25 Arbeitstage nach Antragstellung
Bei Verzögerung, die die Pflegekasse zu vertreten hat: 70 € pro angefangener Woche (§ 18c Abs. 5 SGB XI)
Bescheid enthält Pflegegrad (1–5)
Widerspruch möglich binnen 1 Monat
Bei Ablehnung oder zu niedrigem Grad: Widerspruchsverfahren
Welche Unterlagen und Notizen helfen bei der Begutachtung?
Am meisten hilft ein Pflegetagebuch, das du mindestens 2 Wochen vorher führst, dazu Kopien aller Arztberichte und des Medikamentenplans.
Wie viel zahlt die Pflegekasse 2026 je Pflegegrad im Heim?
Bei stationärer Pflege im Pflegeheim zahlt die Pflegekasse 2026 je nach Pflegegrad 805 € bis 2.096 € im Monat, bei Pflegegrad 1 gibt es 131 € Entlastungsbetrag.
Zur geplanten Pflegereform 2027 (PNOG-Entwurf) gibt es einen separaten Artikel. Ein Eigenanteil-Deckel ist darin NICHT enthalten
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Bewilligung eines Pflegegrads?
Gesetzlich maximal 25 Arbeitstage nach Antragseingang. Dauert es länger und hat die Pflegekasse das zu vertreten, zahlt sie dir 70 € pro angefangener Woche der Fristüberschreitung (§ 18c Abs. 5 SGB XI).
Was passiert beim Besuch von Medizinischem Dienst oder Medicproof?
Eine Pflegefachkraft oder ein Arzt kommt zu dir nach Hause. Dauer: 60–90 Minuten. Geprüft werden 6 Lebensbereiche (Mobilität, Selbstversorgung, Kognition etc.). Aus dem Punktwert ergibt sich der Pflegegrad 1–5.
Ab wann bekomme ich Pflegeleistungen?
Rückwirkend ab dem Antragsmonat. Beispiel: Antrag am 15.3., Bescheid am 15.4. → Leistungen rückwirkend ab 1.3. Daher: Antrag nicht aufschieben.
Was kann ich tun, wenn der Pflegegrad abgelehnt wird?
Du kannst binnen 1 Monat nach dem Bescheid Widerspruch einlegen. Bei anhaltender Ablehnung bleibt die Klage vor dem Sozialgericht. Ein Pflegetagebuch und fachliche Unterstützung (z.B. Pflegeberatung) helfen.
Wie bereite ich mich auf die Begutachtung vor?
Führe 2 Wochen vorher ein Pflegetagebuch, sammle Arztberichte, halte den Medikamentenplan griffbereit, bitte Angehörige oder Pflegende dazu und zeige deinen Hilfebedarf realistisch (NICHT beschönigen).
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