Ein Viertel aller Arbeitnehmer wird im Laufe des Lebens berufsunfähig. Die gesetzliche Absicherung reicht kaum aus. Hier alles, was du über die BU-Versicherung wissen musst.
Warum ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung so wichtig?
Eine BU ist so wichtig, weil jeder vierte Erwerbstätige vor der Rente berufsunfähig wird und die gesetzliche Absicherung kaum ausreicht. Die häufigsten Ursachen:
Psychische Erkrankungen: 32,3 %, zusammen mit Nervenkrankheiten 39,3 % und damit ein Allzeithoch (M&M Marktblick BU 2026)
Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems: 17,6 %
Krebs und andere Geschwülste: 16,3 %
Sonstige Nervenkrankheiten: 7,0 %
Unfälle: 6,9 %
Herz-/Gefäßerkrankungen: ca. 6 %
Reicht die gesetzliche Erwerbsminderungsrente aus?
Nein, meist nicht: Die volle Erwerbsminderungsrente liegt in der Regel deutlich unter deinem bisherigen Einkommen, und die Hürden sind hoch.
Volle Erwerbsminderungsrente: deutlich weniger als dein bisheriges Einkommen, die genaue Höhe steht in deiner Renteninformation
Teilweise Erwerbsminderungsrente: halb so hoch wie die volle
Strikte Voraussetzungen: Volle Erwerbsminderung liegt nur vor, wenn du auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt weniger als 3 Stunden täglich arbeiten kannst (§ 43 Abs. 2 SGB VI)
Versicherungsrechtlich nötig: 5 Jahre Wartezeit und in den letzten 5 Jahren mindestens 3 Jahre Pflichtbeiträge
Wer nach dem 1. Januar 1961 geboren ist, hat keinen Berufsschutz mehr: Geprüft wird jede Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, nicht dein Beruf
Achte beim Abschluss vor allem auf den Verzicht auf abstrakte Verweisung, eine Leistung ab 50 % Berufsunfähigkeit und eine Nachversicherungsgarantie. Die wichtigsten Klauseln:
Verzicht auf abstrakte Verweisung (Pflicht!)
Möglichst auch Verzicht auf konkrete Verweisung bei vergleichbarer Tätigkeit
Möglichkeit zur Beitragsstundung bei Arbeitslosigkeit
Garantierte Umstellung auf Berufsunfähigkeit statt Erwerbsunfähigkeit
Wie hoch sollte die BU-Rente sein?
Als Richtwert sollte die BU-Rente rund 80 % deines Nettoeinkommens betragen. Der Versicherer begrenzt die Rente auf 60-70 % des Bruttoeinkommens (damit die BU-Rente nicht höher als das Nettogehalt ist).
1.500 €/Monat: Minimum für Alleinverdiener
2.000-2.500 €/Monat: bei mittleren Einkommen
3.000+ €/Monat: bei höheren Einkommen
Wie beantworte ich die Gesundheitsfragen richtig?
Beantworte die Gesundheitsfragen absolut ehrlich, denn falsche Angaben führen zur Leistungsverweigerung. Alle Diagnosen der letzten 5-10 Jahre müssen angegeben werden.
Vor dem Antrag: anonyme Risikovoranfrage bei 5-10 Versicherern
Bei Vorerkrankungen: Ausschlüsse oder Risikozuschläge möglich
Bei schweren Vorerkrankungen: Alternativen prüfen (Erwerbsunfähigkeit, Grundfähigkeit)
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Welche Alternativen gibt es, wenn die BU abgelehnt wird?
Ist eine BU nicht möglich, kommen vor allem eine Erwerbsunfähigkeits-, Grundfähigkeits-, Dread-Disease- oder Unfallversicherung infrage:
Grundfähigkeitsversicherung: zahlt bei Verlust einfacher Fähigkeiten
Dread-Disease-Versicherung: bei schweren Erkrankungen (Krebs, Herzinfarkt)
Private Unfallversicherung: nur bei Unfällen
Funktionsinvaliditätsversicherung: für Berufstätige mit körperlicher Arbeit
Häufige Fragen
Was kostet eine BU-Versicherung 2026?
Für einen 30-jährigen Akademiker mit 2.000 € BU-Rente: 50-90 €/Monat. Für körperlich Arbeitende: 100-200 €/Monat. Junge Menschen zahlen deutlich weniger.
Wann BU abschließen?
So früh wie möglich, am besten als Student oder Azubi. Dann bist du meist gesund, zahlst niedrige Beiträge und sicherst dich gegen spätere Ausschlüsse ab.
Was ist abstrakte Verweisung?
Die Versicherung kann dich auf einen "zumutbaren anderen Beruf" verweisen, auch wenn du den gar nicht ausübst. Unbedingt einen Verzicht vereinbaren, sonst ist der Schutz wertlos!
Kinder und BU?
Kinder können noch keine BU abschließen (kein Beruf). Für sie gibt es die Kinder-Invaliditätsversicherung oder die Schüler-BU (ab 10 Jahre). Erst mit dem Berufseinstieg ist eine echte BU möglich.
BU bei Selbstständigen?
Selbstständige brauchen dringend eine BU. Ohne Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung haben sie meist keinen Anspruch auf gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Die BU ist oft die einzige Absicherung.
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