Pflegereform 2027 (PNOG): Was der Entwurf wirklich vorsieht
Der Pflegeheim-Eigenanteil explodiert seit Jahren – zuletzt auf 3.364 €/Monat im ersten Heimjahr. Ein Deckel von 1.000–1.200 € wurde diskutiert, doch der Referentenentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG, Juni 2026) enthält ihn NICHT. Wir zeigen den ehrlichen Stand. Quellen: BMG, vdek.
Der Eigenanteil im Pflegeheim ist einer der größten finanziellen Schocks im Alter:
Durchschnittlicher Eigenanteil im Pflegeheim: 3.364 €/Monat im ersten Heimjahr (vdek, Stand 01.07.2026; Spanne 2.891–3.761 € je Bundesland)
In teuren Regionen (Bayern, BaWü): 3.200–3.500 €/Monat
Gesetzliche Pflegekasse deckt nur einen Teil (bei Pflegegrad 5 stationär: 2.096 €/Monat)
Rest kommt aus Rente, Vermögen – oder von den Kindern ab 100.000 €/Jahr Einkommen
Soziale Pflegeversicherung 2026 mit 1,7 Mrd. € Bundeszuschuss gestützt
PNOG-Referentenentwurf (Juni 2026): KEIN Eigenanteil-Deckel
Das Bundesgesundheitsministerium hat am 04.06.2026 den Referentenentwurf eines Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) vorgelegt. Die für Heimbewohner entscheidenden Punkte:
Ein Eigenanteil-Deckel (die diskutierten 1.000–1.200 €/Monat) ist im Entwurf NICHT enthalten
Im Gegenteil: Die gestaffelten Leistungszuschläge werden gestreckt – die höchste Entlastungsstufe soll erst ab dem 55. Aufenthaltsmonat greifen statt ab dem 37. (also erst nach rund 4,5 Jahren)
Für viele Heimbewohner bedeutet das faktisch HÖHERE Eigenanteile als nach geltendem Recht
Kabinettsbeschluss ist für Herbst 2026 geplant, Inkrafttreten überwiegend zum 01.01.2027
Der Deckel bleibt eine politische Forderung (u. a. aus der AG „Zukunftspakt Pflege") – Grundlage im Gesetzentwurf hat er derzeit nicht
Das PNOG ist ein Referentenentwurf – noch kein Kabinettsbeschluss, kein Gesetz
Inhalte können sich im parlamentarischen Verfahren noch deutlich ändern
Die Finanzierung der Pflegeversicherung bleibt die offene Kernfrage
Vertiefte Bundestags-Befassung wird für das 2. Halbjahr 2026 erwartet
Was bedeutet das für deine private Pflegevorsorge?
Trotz Reform bleibt eigene Vorsorge wichtig:
Der heutige Durchschnitts-Eigenanteil von 3.364 €/Monat ist über wenige Jahre sechsstellig
Ambulante Pflege zuhause oft ähnlich teuer
Ein Eigenanteil-Deckel ist im aktuellen Gesetzentwurf nicht enthalten
Pflegezusatzversicherung abschließen: je früher, desto günstiger
Alternative: Pflege-Eigenvorsorge über ETF-Sparplan oder eigenes Vermögen
Haftet mein Kind für meine Pflegekosten?
Seit 2020 ist die Angehörigenhaftung entschärft (Angehörigen-Entlastungsgesetz):
Kinder haften nur bei Brutto-Einkommen über 100.000 €/Jahr
Vorher wird eigenes Vermögen / Rente verbraucht (bis auf Schonvermögen)
Schonvermögen: aktuell 10.000 € + Wohneigentum
Sozialamt springt ein bei fehlenden Mitteln
Enkel haften nicht
Häufige Fragen
Kommt die Pflegereform 2027?
Ein Referentenentwurf (PNOG) liegt seit dem 04.06.2026 vor; der Kabinettsbeschluss ist für Herbst 2026 geplant, das Inkrafttreten überwiegend zum 01.01.2027. Beschlossen ist noch nichts – Änderungen im Verfahren sind wahrscheinlich.
Wird der Eigenanteil im Pflegeheim ab 2027 gedeckelt?
Nach aktuellem Stand nein: Der PNOG-Referentenentwurf (Juni 2026) enthält keinen Deckel. Die diskutierten 1.000–1.200 €/Monat sind eine politische Forderung ohne Gesetzesgrundlage. Der Entwurf streckt sogar die Leistungszuschläge – die höchste Entlastung gibt es erst ab dem 55. Heimmonat.
Brauche ich dann noch eine Pflegezusatzversicherung?
Ja – erst recht: Ein Deckel ist nicht in Sicht, und der aktuelle Durchschnitts-Eigenanteil von 3.364 €/Monat bedeutet über 5 Jahre rund 200.000 €. Wer sich absichern will, sollte jetzt handeln – je jünger, desto günstiger.
Was zahlt die Pflegeversicherung 2026?
Bei Pflegegrad 5 stationär: 2.096 €/Monat. Bei Pflegegrad 2-4 entsprechend weniger. Der Rest der Heimkosten (im Schnitt 3.364 €/Monat im ersten Heimjahr, Stand Juli 2026) kommt vom Versicherten/Familie. Der Beitragssatz 2026: 3,6 % (Kinderlos 4,2 %).
Haften meine Kinder für meine Pflegekosten?
Seit dem Angehörigen-Entlastungsgesetz 2020 nur bei Bruttoeinkommen über 100.000 €/Jahr. Davor wird dein eigenes Vermögen (Rente, Erspartes) bis auf ein Schonvermögen von 10.000 € aufgebraucht. Selbstgenutzte Immobilie bleibt oft geschützt.
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